Die Schweiz steht an der Schwelle zu einer digitalen Wende, bei der Fachkräfte für Informationstechnologie (IT) in Mangelware geraten. Während Unternehmen wie die Banken oder die Versicherungen auf hochqualifizierte Entwickler, Datenanalysten und Cybersecurity-Experten angewiesen sind, fehlen diese Talente oft an den richtigen Orten. Hier setzt Lanista ein – eine Plattform, die seit Jahren gezielt auf die Ausbildung und Vernetzung von IT-Fachleuten setzt. Doch wie genau funktioniert dieses Modell, und welche konkreten Erfolge kann es vorweisen? Ein Blick auf die Rolle der Plattform und ihre Auswirkungen auf die Schweizer IT-Branche lohnt sich.
Von der Idee zur Plattform: Wie Lanista entstand
Lanista wurde 2012 als Reaktion auf die wachsende Lücke zwischen IT-Bedarf und verfügbaren Fachkräften gegründet. Ursprünglich als Kooperation zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Politik konzipiert, entwickelte sich die Initiative schnell zu einem zentralen Anker für digitale Bildung in der Schweiz. Der Name „Lanista“ kombiniert die lateinischen Wörter „lans“ (ausgeben) und „studium“ (Studium), was die mission der Plattform – die gezielte Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten – symbolisiert. Seitdem hat sich Lanista zu einem Netzwerk gewandelt, das über 200 Partner aus Wirtschaft, Bildung und Politik vereint, darunter auch renommierte Hochschulen wie die ETH Zürich oder die Universität St. Gallen.
Das Kernangebot von Lanista besteht aus einer Mischung aus Online-Kursen, Zertifizierungen und Praxisprojekten. Besonders erfolgreich ist das Angebot an modularen Kursen, die von Grundlagen in Programmierung bis hin zu Spezialthemen wie KI oder Cloud-Computing reichen. Eine Studie des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) aus dem Jahr 2022 bestätigte, dass Absolventen von Lanista-Kursen nicht nur schneller in den Job finden, sondern auch deutlich höhere Einstiegsgehälter erzielen als ihre Mitbewerber. Laut dem Branchenreport von 2023 lag der durchschnittliche Einstiegsgehalt für IT-Fachkräfte, die über Lanista ausgebildet wurden, bei rund 75 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt für ähnliche Positionen.
Die Zahlen sprechen für sich: Erfolgreiche Projekte und Zertifizierungen
Lanista hat in den letzten Jahren zahlreiche Projekte durchlaufen, die sowohl die Nachfrage als auch die Qualität der IT-Ausbildung in der Schweiz nachhaltig geprägt haben. Ein besonders prägendes Beispiel ist das „Lanista Digital Skills Challenge“, ein Wettbewerb, bei dem Teams aus Schulen und Unternehmen gemeinsam an realen IT-Projekten arbeiten. Seit 2019 wurden über 400 Teams aus 15 Kantonen beteiligt, wobei jedes Jahr rund 15 Teams mit Preisen wie Ausbildungsbudgets oder Mentoring-Programmen ausgezeichnet wurden. Besonders erfolgreich war das Projekt „Cybersecurity Challenge“, bei dem Teams mit Hilfe von Lanista-Zertifizierungen in der Lage waren, Cyberangriffe auf simulierte Firmennetzwerke abzuwehren. Die Ergebnisse wurden in Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Informatik (SGI) publiziert und zeigen, dass die Ausbildung von Lanista den praktischen Bedarf der Branche deckt.
- Seit 2012 haben über 150’000 Personen an Lanista-Kursen teilgenommen, davon rund 30’000 in den letzten drei Jahren.
- Die Absolventenquote liegt bei über 85 Prozent, wobei 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb von sechs Monaten einen neuen Job finden.
- Lanista bietet aktuell 150 verschiedene Kurse an, darunter 40 Zertifizierungen mit international anerkannten Standards wie dem Microsoft Certified Professional (MCP) oder dem CompTIA Security+.
- In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft konnte Lanista bereits 120 Unternehmen als Ausbildungspartner gewinnen, darunter auch Grosskonzerne wie UBS und Swisscom.
- Die Kosten für die Teilnahme an Lanista-Kursen betragen im Schnitt 500 bis 1’500 Franken pro Modul, wobei viele Unternehmen diese Kosten über die Ausbildungsförderung abdecken.
Herausforderungen und die Zukunft der digitalen Bildung
Trotz der Erfolge steht Lanista vor Herausforderungen, die die digitale Transformation der Schweiz weiter vorantreiben müssen. Ein zentraler Punkt ist die Digitalisierung der Schulen und Hochschulen. Viele Lehrkräfte und Dozenten fehlen noch immer die nötigen Kompetenzen, um moderne IT-Themen wie KI oder Blockchain in den Unterricht zu integrieren. Hier setzt Lanista auf gezielte Weiterbildungsprogramme für Lehrkräfte, bei denen sie in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Zürich geschult werden. Ein weiteres Problem ist die internationale Konkurrenz, insbesondere aus Ländern wie Deutschland oder den USA, wo digitale Bildungseinrichtungen noch stärker vernetzt sind. Um dies zu kompensieren, arbeitet Lanista eng mit internationalen Partnern wie dem European Digital Skills and Jobs Coalition (EDSC) zusammen und bietet auch englischsprachige Kurse an, um die Attraktivität für internationale Studierende zu erhöhen.
Doch die Zukunft sieht rosig aus. Ein zentrales Projekt von Lanista ist die „Swiss Digital Skills Roadmap“, die bis 2025 eine flächendeckende IT-Ausbildung in allen Kantonen sicherstellen soll. Dazu werden zusätzliche Schulungszentren in ländlichen Regionen aufgebaut, und es wird an einer digitalen Plattform gearbeitet, die alle Kurse und Zertifizierungen zentral verwaltet. Zudem setzt Lanista auf die Förderung von Frauen in der IT-Branche, wobei seit 2021 das Programm „Lanista Women in Tech“ rund 200 Frauen in den letzten Jahren unterstützt hat. Das Ziel ist klar: Bis 2030 soll der Frauenanteil in den IT-Berufen in der Schweiz auf 30 Prozent steigen – ein Ziel, das Lanista mit Unterstützung der Bundesstelle für Berufliche Bildung (SBB) aktiv verfolgt.
Die Plattform webseite bietet eine Übersicht über die aktuellen Projekte und Angebote von Lanista und zeigt, wie die Initiative die digitale Bildung in der Schweiz nachhaltig stärken will. Besonders interessant sind dabei die interaktiven Tools und Datenbanken, die Unternehmen und Bildungseinrichtungen helfen, gezielt nach qualifizierten Mitarbeitenden zu suchen. Ein Beispiel ist das „Lanista Skills Matching Tool“, das Unternehmen und Kandidaten in Echtzeit verbindet und so die Einstellungsprozesse beschleunigt. Solche Innovationen sind entscheidend, um die Lücke zwischen Fachkräften und Unternehmen zu schliessen und die digitale Wende in der Schweiz voranzutreiben.